Quelle: Brüder Grimm, Kinder- und Haus-Märchen, 7. Auflage 1857, Nr. 152 (gemeinfrei), Text nach de.wikisource.org.
Wörtlich: MZ = ma, NICHT = ne, SOLL = vo, ZITAT = re, NAH = hi, FERN = da, FRAGE = ka, ZUK = vi, NOCH = ku, SCHON = ti, AUCH = mo. Zusammensetzungen mit Bindestrich.
Es war einmal ein Hirtenbübchen, das war wegen seiner weisen Antworten, die es auf alle Fragen gab, weit und breit berühmt. Der König des Landes hörte auch davon, glaubte es nicht und ließ das Bübchen kommen. Da sprach er zu ihm „kannst du mir auf drei Fragen, die ich dir vorlegen will, Antwort geben, so will ich dich ansehen wie mein eigen Kind, und du sollst bei mir in meinem königlichen Schloß wohnen.“ Sprach das Büblein „wie lauten die drei Fragen?“ Der König sagte „die erste lautet wie viel Tropfen Wasser sind in dem Weltmeer?“ Das Hirtenbüblein antwortete „Herr König, laßt alle Flüsse auf der Erde verstopfen, damit kein Tröpflein mehr daraus ins Meer lauft, das ich nicht erst gezählt habe, so will ich euch sagen, wie viel Tropfen im Meere sind.“ Sprach der König „die andere Frage lautet wie viel Sterne stehen am Himmel?“ Das Hirtenbübchen sagte „gebt mir einen großen Bogen weiß Papier,“ und dann machte es mit der Feder so viel feine Punkte darauf, daß sie kaum zu sehen und fast gar nicht zu zählen waren und einem die Augen vergiengen, wenn man darauf blickte. Darauf sprach es „so viel Sterne stehen am Himmel, als hier Punkte auf dem Papier zählt sie nur.“ Aber niemand war dazu im Stand. Sprach der König „die dritte Frage lautet wie viel Secunden hat die Ewigkeit?“ Da sagte das Hirtenbüblein „in Hinterpommern liegt der Demantberg, der hat eine Stunde in die Höhe, eine Stunde in die Breite und eine Stunde in die Tiefe; … … dahin kommt alle hundert Jahr ein Vögelein und wetzt sein Schnäblein daran, und wenn der ganze Berg abgewetzt ist, dann ist die erste Secunde von der Ewigkeit vorbei.“ Sprach der König „du hast die drei Fragen aufgelöst wie ein Weiser und sollst fortan bei mir in meinem königlichen Schlosse wohnen, und ich will dich ansehen wie mein eigenes Kind.“
Herrscher AUCH Land hören in Sache NAH. er glauben NICHT Ding NAH, und er sprechen, dass SOLL Schaf-Person-klein kommen
Der König des Landes hörte auch davon, glaubte es nicht und ließ das Bübchen kommen.
Anmerkungen (3)
König = felara tofa (Herrscher des Landes). mo steht direkt hinter felara: auch der König. Kurzwörter zwischen zwei Nomen unterbrechen die Kette nicht.
„davon hören“ = nore di tama hi (Thema mit di tama).
„kommen lassen“ = sagen, dass er kommen soll (sene, de vo …).
Herrscher sprechen zu Schaf-Person-klein ZITAT ich fragen ZUK drei Frage zu du. ZITAT du werden ZUK Kind ich, und du leben ZUK mit ich in Haus-mächtig-Person ich, wenn du antworten alle drei Frage
Da sprach er zu ihm „kannst du mir auf drei Fragen, die ich dir vorlegen will, Antwort geben, so will ich dich ansehen wie mein eigen Kind, und du sollst bei mir in meinem königlichen Schloß wohnen.“
Anmerkungen (4)
Der Relativsatz „die ich dir vorlegen will“ ist ein eigener Satz geworden.
Der fi-Satz steht hinten und gilt für beide Hauptsätze davor.
„ansehen wie mein Kind“ = mein Kind werden. mi nile tu si pina mi hieße „ich liebe dich, wie mein Kind dich liebt“, denn si vergleicht immer mit dem Subjekt.
Schloss = dovafelara (Haus + Herrscher), neuer Begriff.
Schaf-Person-klein antworten ZITAT SOLL du schließen alle Fluss in Welt! ZITAT MZ Wasser-klein kommen NOCH NICHT von MZ Fluss zu Meer nach Ding NAH. ZITAT und ich zählen alle Wasser-klein in Meer, und ich sprechen ZUK zu du, dass Menge FRAGE Wasser-klein sich-befinden in Meer
Das Hirtenbüblein antwortete „Herr König, laßt alle Flüsse auf der Erde verstopfen, damit kein Tröpflein mehr daraus ins Meer lauft, das ich nicht erst gezählt habe, so will ich euch sagen, wie viel Tropfen im Meere sind.“
Anmerkungen (5)
Die Anrede „Herr König“ ist weggelassen.
„verstopfen“ = vulagene (schließen).
„damit kein Tröpflein mehr … das ich nicht erst gezählt habe“ ist in drei einfache Sätze aufgelöst.
ku ne = nicht mehr.
„wie viel Tropfen im Meere sind“ ist eine indirekte Frage: de + duvu ka.
Schaf-Person-klein sprechen ZITAT SOLL du geben Papier groß weiß zu ich! er machen viel Punkt klein auf Papier durch Feder nach Ding NAH. MZ Punkt viel klein-sein. MZ Person können NICHT Zählen MZ er, und MZ Auge MZ Person schmerzen, wenn MZ Person sehen MZ er
Das Hirtenbübchen sagte „gebt mir einen großen Bogen weiß Papier,“ und dann machte es mit der Feder so viel feine Punkte darauf, daß sie kaum zu sehen und fast gar nicht zu zählen waren und einem die Augen vergiengen, wenn man darauf blickte.
Anmerkungen (4)
Das Zitat steht am Satzende; „und dann machte es …“ ist ein neuer Satz.
„Feder“ = lugabipa (Vogelfeder), gemeint ist die Schreibfeder.
„so viel …, daß …“ ist in einfache Sätze geteilt. „man“ = ma mela.
Schaf-Person-klein sprechen ZITAT Menge Stern gleich-sein Menge Punkt die sich-befinden auf Papier NAH. ZITAT SOLL du zählen MZ er! aber null Person können Zählen MZ Punkt
Darauf sprach es „so viel Sterne stehen am Himmel, als hier Punkte auf dem Papier zählt sie nur.“ Aber niemand war dazu im Stand.
Anmerkungen (3)
Mengenvergleich: „die Menge der Sterne ist dieselbe wie die Menge der Punkte“ (duva = die Menge, lute = derselbe sein).
Mit si ginge es nicht: si nimmt nur ein Nomen, und „auf dem Papier“ würde zum ganzen Satz gehören (die Sterne stünden auf dem Papier). Deshalb der Relativsatz je fale he rifa hi.
„am Himmel“ ist weggelassen, sonst stünde die Präpositionsgruppe vor dem Verb.
Schaf-Person-klein sprechen ZITAT Berg Stein-hart sich-befinden in Hinterpommern. ZITAT Höhe er und Breite er und Gegenteil-Höhe er gleich-sein Abstand den MZ Person zu-Fuß-gehen durch eins Stunde
Da sagte das Hirtenbüblein „in Hinterpommern liegt der Demantberg, der hat eine Stunde in die Höhe, eine Stunde in die Breite und eine Stunde in die Tiefe; …
Anmerkungen (4)
Diamant = botatada (Stein + hart), neuer Begriff. „Demantberg“ = taka botatada (Berg aus Diamant), wie bedanamisa geda in Text 6.
„eine Stunde“ als Wegmaß = die Strecke, die man in einer Stunde geht. je ist im Relativsatz Objekt (je + Nomen + Verb).
„Tiefe“ = vutara: „tief“ und „niedrig“ sind ein Begriff (vutari).
ZITAT Vogel-klein kommen einmal zu Berg NAH durch hundert Jahr, und er scharf-machen Mund-Vogel er selbst auf Berg. ZITAT Stunde-klein-klein erster Zeit-ganz fertig-sein, wenn Berg ganz fehlen SCHON
… dahin kommt alle hundert Jahr ein Vögelein und wetzt sein Schnäblein daran, und wenn der ganze Berg abgewetzt ist, dann ist die erste Secunde von der Ewigkeit vorbei.“
Anmerkungen (4)
„alle hundert Jahr“ = pavo … ru bolu basa (einmal in hundert Jahren). di nalu bolu basa ginge auch, ist aber schwerer zu verstehen.
„wetzen“ = venumene (scharf + -en-: schärfen), Schnabel = pevabipa (Mund + Vogel): zwei neue Begriffe.
„abgewetzt“ = der ganze Berg fehlt schon (vufale ti).
Herrscher sprechen ZITAT du antworten alle drei Frage wie klug-Person. ZITAT SOLL du leben mit ich in Haus-mächtig-Person ich von Zeit NAH! ZITAT du gleich-sein Kind ich
Sprach der König „du hast die drei Fragen aufgelöst wie ein Weiser und sollst fortan bei mir in meinem königlichen Schlosse wohnen, und ich will dich ansehen wie mein eigenes Kind.“
Anmerkungen (4)
„wie ein Weiser“: si vergleicht mit dem Subjekt: Du antwortest, wie ein Weiser antwortet. Weiser = banara (klug + -ar-).
„fortan“ = ko lusa hi (von jetzt an).
Aufforderung und Aussage stehen in getrennten Sätzen (verschiedene Satzarten).
„wie mein eigenes Kind“ = lute pina mi (ist mein Kind), wie „Er ist mein Freund“.